PD Dr. Christian Gudehus


Gudehus

Informationen zu meiner Vergangenheit finden sich auf cgudehus.de. Doch relevanter ist wohl die Zukunft. In den nächsten Jahren möchte ich mich vier eng miteinander verwobenen Interessen widmen.

Das sind, erstens, was ich Psychologien der Gewalt nenne. Um Gewalt zu verstehen, muss aus psychologischer Perspektive erklärt werden, wie diese Handlungen hervorgebracht, ertragen und verarbeitet werden. Diverse Psychologien haben ebenso diverse Zugänge und Modelle entwickelt, um genau dies zu erreichen. Mit Blick auf diese Bemühungen sind zwei bedeutsame Lücken zu benennen. Zum einen fehlt es an einer Historisierung psychologischer Konzeptualisierungen und Erklärungen von Gewalt. Zum anderen und eng damit verbunden sind Zugänge jenseits des Mainstreams bisher unzureichend dokumentiert. Es bedarf also insbesondere bezüglich des ersten Punktes einer systematischen Aufarbeitung der Genese, Entwicklung und Rezeption psychologischer Gewalterklärungen. Dies schließt auch solche Studien ein, die sich genuin gar nicht mit Gewalt beschäftigen, aber in diesem Kontext rezipiert werden (z.B. Solomon Asch, Albert Bandura oder Henry Tajfel). Mit Blick auf den zweiten Punkt gilt es Psychologien jenseits des Mainstreams auf ihre Potenziale hin, Gewalt zu verstehen, zu untersuchen bzw. weiter zu entwickeln. Besonders am Herzen liegt mir diesbezüglich eine kulturpsychologische Gewaltforschung. Weiter sind den schwach dokumentierten Zugängen auch solche zuzuordnen, die sich selbst nicht als Psychologien bezeichnen, aber dennoch psychologischen Ansätzen vergleichbare Erklärungsmodi aufweisen (z.B. Religionen bzw. spirituelle Praktiken).

Zweitens sehe ich mich und betätige ich mich als kritischer, aber durchaus auch Lösungen anbietender Kommentator der (vor allem englischsprachigen) Genocide Studies. Mein Ziel ist es, auf die vielfältigen Probleme hinzuweisen und, wo möglich, Alternativen zu entwickeln. So gibt es eine fatale Tendenz zur Kanonisierung von Studien und Konzepten, ohne dass diese ausreichend kontextualisiert und historisiert würden. Viel zu wenig reflektiert wird auch die weit verbreitete Vermischung diverser Disziplinen, Methodologien und Epistemologien. Schließlich mangelt es (gerade im internationalen Diskurs) an einer Rezeption theoretisch und methodologisch avancierter Zugänge, so dass gerade im Hinblick auf empirische Arbeiten und Theoriebildung von einer Verflachung des wissenschaftlichen Niveaus gesprochen werden kann. Entsprechend besteht eine Lösung darin, eben solche, ja durchaus vorliegenden Konzepte in die Diskussion einzuspeisen.


 





Drittens und weit darüber hinausgehend entwickele ich in enger Zusammenarbeit mit Pradeep Chakkarath das Forschungsprogramm und die die internationale Zeitschrift, kurz HARM (Schaden). Wir interessieren uns dafür, wie Schaden zugefügt, erlitten, beigewohnt, dokumentiert, kommentiert und analysiert wird. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wie Menschen Naturkatastrophen, Kriege, Unfälle, Krankheit und Verlust erleben. Wie sie vergewaltigen, morden, entrechten und vernutzen (Menschen und Tiere). Genauso möchten wir erkunden, wie diese Erfahrungen oder dieses Agieren wiedergeben wird – in der Pädagogik, der Wissenschaft, der Kunst, der Populärkultur oder den Religionen. HARM ist nicht nur ein langfristiges Forschungsprogramm, sondern zugleich eine Zeitschrift, die ich gemeinsam mit Pradeep Chakkarath, Fiza Lee und Nafissa Rami aus der Taufe gehoben habe und deren erste Nummer im Mai 2022 erscheinen wird.

Viertens bemühe ich mich sehr, in einer Weise zu lehren, die das Studium als Leidenschaft für das Denken, Argumentieren, Schreiben und Präsentieren versteht. Ich möchte, dass Studierende an Fällen lernen, ich möchte ihnen Raum für Gewagtes und Ungewöhnliches geben und sie ermuntern, die Ergebnisse ihrer Bemühungen nach Möglichkeit einer Öffentlichkeit zu präsentieren, statt diese in einer sprichwörtlichen „Schublade verstauben zu lassen“. Ein bereits bestehendes Beispiel dafür ist die Online-Encyclopedia Practices of Violence, auf der sich sehr diverse Arbeiten von Studierenden aus Bochum und Maastricht finden, in denen sie eben Gewalt praxeologisch erkunden. Eine andere Form ist der Podcast Pre&Post GEWALT, den Studierende des Bachelor Sozialwissenschaft produziert haben.

 

Neuere Publikationen

  • Dossier: Genocide Research – Some Observations and Suggestions. Genocide Studies and Prevention 15, 3 (2021) Link
  • Appropriations of Social Psychological Studies in Genocide Research Exemplified by References to Solomon E. Asch’s Study of Independence and Conformity (2021). Journal of Genocide Research. Link
  • Mit Marc Buggeln, Elissa Mailänder und Veronika Springmann. Weit mehr als die Gewalt selbst. Von der Notwendigkeit komplexer Definitionen (2021). WerkstattGeschichte 83, 1, 85-101.
  • Practices of (collective) Violence. Auf: Online Encyclopaedia Practices of Violence (2021) Link
  • Action Action Action. Journal of Perpetrator Research 3, 1 (2020), 188-195. Link

Eine Liste aller Veröffentlichungen von Christian Gudehus finden Sie hier.

 

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